„Monkey Dust“, „Flakka“, „Badesalz“: Neue Drogen, neue Risiken – warum Aufklärung jetzt wichtig ist
Sie heißen „Monkey Dust“, „Flakka“, „Flex“ oder werden verharmlosend als „Badesalz“ bezeichnet: Synthetische Cathinone gehören zu den sogenannten neuen psychoaktiven Substanzen. Sie können stark aufputschend wirken, sind häufig kaum einschätzbar dosiert und werden zunehmend auch geraucht oder verdampft. Für Körper, Psyche und Lunge können sie erhebliche Risiken bedeuten.
Die Lungenstiftung Bremen nimmt aktuelle Berichte zum Anlass, aufzuklären – besonders für Eltern, Jugendliche und junge Erwachsene.
Was sind synthetische Cathinone?
Synthetische Cathinone sind künstlich hergestellte Substanzen. Chemisch sind sie mit Cathinon verwandt, einem Wirkstoff aus der Khat-Pflanze. Die künstlichen Varianten können jedoch deutlich stärker und unberechenbarer wirken als der natürliche Ausgangsstoff. Sie zählen zu den neuen psychoaktiven Substanzen, die oft unter wechselnden Namen und in unterschiedlicher Zusammensetzung auf dem Markt auftauchen.
Bekannte Beispiele oder Szenebezeichnungen sind unter anderem „Monkey Dust“, „Flakka“, „Flex“, „Badesalz“ oder einzelne Stoffnamen wie MDPV, MDPHP, α-PHP oder α-PHiP. Solche Bezeichnungen sind für Außenstehende oft schwer einzuordnen – und genau das macht die Aufklärung so wichtig.
Wie wirken diese Substanzen?
Synthetische Cathinone wirken stimulierend. Sie können Wachheit, Antrieb, Euphorie oder ein Gefühl von Energie auslösen. Die Wirkung kann Kokain oder Amphetaminen ähneln. Gleichzeitig können starke Unruhe, Herzrasen, Angst, Panik, Aggressivität, Paranoia oder psychotische Symptome auftreten.
Das Risiko liegt auch darin, dass Konsumierende häufig nicht genau wissen, welche Substanz sie tatsächlich einnehmen. Produkte können unterschiedlich stark dosiert sein oder ganz andere Wirkstoffe enthalten als erwartet. Dadurch steigt die Gefahr von Überdosierungen, Kontrollverlust und schweren psychischen Krisen.
Wie werden sie konsumiert?
Synthetische Cathinone können in verschiedenen Formen vorkommen – etwa als Pulver, Kristalle, Kapseln oder in vermeintlich harmlos wirkenden Produkten. Sie werden je nach Substanz geschluckt, geschnupft, injiziert oder geraucht beziehungsweise verdampft. Gerade die rauchbaren Formen rücken aktuell stärker in den Fokus der Suchtmedizin.
Beim Rauchen oder Verdampfen gelangt die Substanz besonders schnell über die Lunge in den Blutkreislauf und damit ins Gehirn. Das kann den Wirkungseintritt beschleunigen und den Suchtdruck verstärken. Eine aktuelle Untersuchung zu rauchbaren synthetischen Cathinonen beschreibt problematische Konsummuster und erhebliche psychische Belastungen bei einem Teil der Konsumierenden.
Wo kommen solche Substanzen vor?
Synthetische Cathinone können in unterschiedlichen Konsumkontexten auftauchen: im Party- und Nachtleben, in bestimmten Online-Angeboten, in Risikoszenen oder im Zusammenhang mit sogenanntem Chemsex. Sie werden teils als „Research Chemicals“, „Legal Highs“, „Badesalz“ oder unter Fantasienamen angeboten. Diese Bezeichnungen können verharmlosen und den Eindruck erwecken, es handle sich um ungefährliche oder sogar legale Produkte. Das ist gefährlich.
Wichtig ist: Auch wenn ein Produkt „neu“, „legal“ oder „harmlos“ klingt, sagt das nichts über seine tatsächliche Wirkung oder Gefährlichkeit aus.
Warum ist das auch ein Thema für die Lunge?
Für die Lungenstiftung Bremen ist klar: Alles, was geraucht, verdampft oder inhaliert wird, belastet die Atemwege. Die Lunge ist ein empfindliches Organ. Sie ist dafür da, Sauerstoff aufzunehmen – nicht dafür, chemische Substanzen aufzunehmen.
Ob Tabak, Vapes, Cannabisprodukte oder neue psychoaktive Substanzen: Inhalierter Konsum kann Atemwege reizen, Entzündungen begünstigen und die Lunge zusätzlich belasten. Bei synthetischen Cathinonen kommt hinzu, dass Zusammensetzung, Reinheit und Zusatzstoffe oft unbekannt sind. Das macht die Risiken noch schwerer einschätzbar.
Was sollten Jugendliche wissen?
Neue Drogen wirken oft gerade deshalb interessant, weil sie unbekannt, „anders“ oder scheinbar modern sind. Doch gerade bei neuen psychoaktiven Substanzen ist das Risiko besonders hoch: Wirkung, Dosierung und Nebenwirkungen sind oft nicht zuverlässig vorhersehbar.
Wichtig ist:
- Nicht alles, was im Freundeskreis, auf Partys oder online angeboten wird, ist einschätzbar.
- Namen wie „Badesalz“, „Monkey Dust“ oder „Research Chemical“ können verharmlosen.
- Gerauchte oder verdampfte Substanzen wirken oft sehr schnell – und können dadurch besonders riskant sein.
- Psychische Krisen wie Angst, Panik oder Verfolgungsgefühle sind mögliche Warnzeichen.
- Wer nach dem Konsum starke Unruhe, Atemnot, Brustschmerzen, Verwirrtheit, extreme Angst oder Halluzinationen erlebt, braucht Hilfe – sofort.
- Es ist kein Zeichen von Schwäche, Hilfe zu holen. Es kann Leben schützen.
Was sollten Eltern beachten?
Eltern müssen nicht jede Szenebezeichnung kennen. Wichtiger ist, aufmerksam zu bleiben und Gesprächsangebote zu machen. Jugendliche sprechen eher über Risiken, wenn sie nicht sofort mit Strafe, Vorwürfen oder Panik rechnen müssen.
Mögliche Warnzeichen können sein:
- plötzliche starke Stimmungsschwankungen,
- ungewöhnliche Unruhe oder Schlaflosigkeit,
- Angstzustände oder paranoide Gedanken,
- sozialer Rückzug,
- unerklärliche Geldprobleme,
- Pulver, kleine Tütchen, Pfeifen, Folien oder andere Konsumutensilien,
- auffällige Online-Bestellungen oder Paketlieferungen.
Diese Zeichen beweisen keinen Drogenkonsum. Sie können aber Anlass sein, behutsam nachzufragen.
Hilfreiche Fragen können sein:
- „Ich mache mir Sorgen um dich. Können wir darüber sprechen?“
- „Gibt es etwas, das dich gerade belastet?“
- „Hast du etwas ausprobiert, bei dem du nicht sicher bist, wie gefährlich es ist?“
Wichtig ist: ruhig bleiben, zuhören, keine schnellen Diagnosen stellen – und frühzeitig professionelle Hilfe einbeziehen.
Wann sollte sofort Hilfe geholt werden?
Sofortige medizinische Hilfe ist wichtig bei:
- Atemnot,
- Brustschmerzen,
- Bewusstseinsstörungen,
- Krampfanfällen,
- starker Verwirrtheit,
- Halluzinationen,
- extremer Angst oder Panik,
- aggressivem oder selbstgefährdendem Verhalten,
- Verdacht auf Überdosierung.
In akuten Notfällen gilt: 112 wählen.
Bei Unsicherheit können auch der ärztliche Bereitschaftsdienst, Hausärztinnen und Hausärzte, Suchtberatungsstellen oder psychosoziale Beratungsangebote weiterhelfen.
Prävention heißt: Wissen, bevor es gefährlich wird
Die Lungenstiftung Bremen setzt sich für Prävention und Aufklärung ein. Dazu gehört auch, neue Entwicklungen frühzeitig ernst zu nehmen. Gerade bei Substanzen, die geraucht oder verdampft werden, müssen die Risiken für Atemwege, Lunge, Herz-Kreislauf-System und Psyche klar benannt werden.
Aufklärung darf nicht belehrend sein. Sie muss verständlich, ehrlich und lebensnah sein. Jugendliche brauchen Informationen, die sie ernst nehmen. Eltern brauchen Orientierung, ohne Angst gemacht zu bekommen.
Unser Appell
Neue psychoaktive Substanzen sind kein Randthema. Sie zeigen, wie schnell sich Konsumformen verändern können – und wie wichtig Prävention bleibt.
Die Lunge ist kein Ort für Experimente.
Wer raucht, verdampft oder inhaliert, bringt Stoffe direkt in ein lebenswichtiges Organ. Bei synthetischen Cathinonen kommt hinzu: Die Wirkung kann stark, schnell und unberechenbar sein.
Die Lungenstiftung Bremen wird das Thema weiter beobachten und sich dafür einsetzen, dass junge Menschen, Eltern und Familien verständliche Informationen und gute Unterstützung erhalten.