Zum Inhalt springen
Lungenstiftung Bremen
Rauchen Vapen Nikotin

Der Trend bei Jugendlichen ist seit 2001 erstmals gekippt

Jahrelang gingen die Raucherzahlen bei Jugendlichen zurück. Doch die aktuelle Drogenaffinitätsstudie 2025 zeigt: Diese positive Entwicklung ist ins Stocken geraten. Immer mehr junge Menschen greifen wieder zu Tabak- und Nikotinprodukten – besonders E-Zigaretten und Vapes spielen dabei eine wachsende Rolle. Für die Lungenstiftung Bremen ist das ein deutliches Warnsignal: Prävention muss früher ansetzen, aktueller werden und die neuen Formen des Nikotinkonsums klar benennen.

Rauchen galt unter Jugendlichen lange als zunehmend unattraktiv. Die klassische Zigarette verlor an Bedeutung, Nichtrauchen wurde für viele junge Menschen zur Normalität. Doch dieser Fortschritt ist nicht selbstverständlich. Die Drogenaffinitätsstudie 2025 zeigt eine Entwicklung, die ernst genommen werden muss: Bei den 12- bis 17-Jährigen steigt der Anteil der Rauchenden wieder an. 2025 bezeichneten sich 9,6 Prozent der Jugendlichen als Raucherin oder Raucher. 2021 waren es noch 6,1 Prozent.

Gleichzeitig hat sich die Produktwelt verändert. Jugendliche kommen heute nicht nur mit klassischen Zigaretten in Kontakt, sondern auch mit E-Zigaretten, Vapes, Wasserpfeifen, Tabakerhitzern und Nikotinbeuteln. Besonders auffällig ist der zunehmende Konsum von Mehrweg-E-Zigaretten. Damit verschiebt sich das Problem: Nikotin erscheint vielen Jugendlichen nicht mehr nur als Zigarette, sondern als modernes, leicht verfügbares Produkt – oft technisch, bunt, sozial sichtbar und scheinbar harmloser, als es tatsächlich ist.

Was die Drogenaffinitätsstudie untersucht

Die Drogenaffinitätsstudie ist eine der wichtigsten Langzeituntersuchungen zum Konsumverhalten junger Menschen in Deutschland. Sie wird seit 1973 regelmäßig durchgeführt und untersucht den Umgang von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Tabak, Nikotinprodukten, Alkohol, Cannabis und weiteren Drogen. Für die aktuelle Erhebung 2025 wurden 7.001 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren befragt. Der Befragungszeitraum lag zwischen dem 22. April und dem 3. Juli 2025.

Der jetzt veröffentlichte Teilband beschäftigt sich mit Tabak und anderen nikotinhaltigen Produkten. Neben der klassischen Tabakzigarette wurden unter anderem Wasserpfeifen, Tabakerhitzer, Mehrweg- und Einweg-E-Zigaretten sowie Nikotinbeutel berücksichtigt. Damit bildet die Studie nicht nur das traditionelle Rauchen ab, sondern auch jene Produkte, die in den vergangenen Jahren stärker in die Lebenswelt junger Menschen vorgedrungen sind.

Die wichtigste Botschaft: Jugendliche rauchen wieder häufiger

Die Zahlen zeigen deutlich: Der Anteil rauchender Jugendlicher ist in den vergangenen Jahren wieder gestiegen. Während 2021 noch 6,1 Prozent der 12- bis 17-Jährigen rauchten, waren es 2025 bereits 9,6 Prozent. Bei den jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren zeigt sich dagegen ein anderer Trend: Dort sank der Anteil Rauchender im selben Zeitraum von 29,8 Prozent auf 26,3 Prozent.

Das bedeutet: Während junge Erwachsene insgesamt etwas seltener rauchen, steigt der Konsum ausgerechnet bei den Jugendlichen wieder an. Genau diese Altersgruppe ist für die Prävention besonders wichtig. Wer früh mit Nikotin beginnt, hat ein höheres Risiko, abhängig zu werden. Und je früher sich Konsummuster verfestigen, desto schwieriger wird es, sie später wieder zu durchbrechen.

Vapes sind Teil des Problems

Die klassische Zigarette ist nicht verschwunden. Aber sie hat Gesellschaft bekommen. In den 30 Tagen vor der Befragung hatten 7,9 Prozent der 12- bis 17-Jährigen Tabakzigaretten geraucht. Fast ebenso hoch lag der aktuelle Konsum von Mehrweg-E-Zigaretten mit 7,3 Prozent. Einweg-E-Zigaretten wurden von 5,5 Prozent der Jugendlichen genutzt. Wasserpfeifen lagen bei 2,0 Prozent, Nikotinbeutel bei 1,9 Prozent, Tabakerhitzer bei 0,4 Prozent.

Diese Zahlen machen deutlich: Das Thema Nikotin ist breiter geworden. Wer heute über Nichtrauchen spricht, muss nicht nur über Zigaretten sprechen. Es geht auch um Vapes, Liquids, Pods, Nikotinbeutel und Produkte, die auf den ersten Blick weniger nach Gesundheitsrisiko aussehen als eine Tabakzigarette.

Gerade E-Zigaretten werden von vielen Jugendlichen nicht als „Rauchen“ im klassischen Sinne wahrgenommen. Sie wirken moderner, technischer und in manchen Fällen sozial akzeptierter. Doch diese Wahrnehmung kann gefährlich sein. Denn auch bei E-Zigaretten geht es häufig um Nikotin – und damit um einen Stoff, der abhängig machen kann.

Besonders deutlich steigt der Konsum von Mehrweg-E-Zigaretten

Ein zentraler Befund der Studie: Der Konsum von Mehrweg-E-Zigaretten ist in allen Gruppen deutlich angestiegen. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung bei Jugendlichen und jungen Frauen zwischen 2023 und 2025. Zugleich weist das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit darauf hin, dass Nutzerinnen und Nutzer von Mehrweg-E-Zigaretten mittlerweile zu 90 Prozent oder mehr nikotinhaltige Liquids verwenden.

Das ist ein wichtiger Punkt. Denn E-Zigaretten werden häufig mit Begriffen wie „Dampf“, „Aroma“ oder „Lifestyle“ verbunden. Im Kern geht es aber oft um Nikotinaufnahme. Die Produkte mögen anders aussehen als klassische Zigaretten – das Risiko einer Abhängigkeit bleibt.

Warum Jugendliche besonders geschützt werden müssen

Jugendliche befinden sich körperlich und psychisch in einer sensiblen Entwicklungsphase. Das gilt auch für das Gehirn und das Belohnungssystem. Nikotin kann hier besonders schnell wirken: Es kann Entspannung, Konzentration oder Zugehörigkeit suggerieren – und gleichzeitig den Weg in eine Abhängigkeit bahnen.

Auch für die Lunge und die Atemwege ist der frühe Konsum problematisch. Die Lunge entwickelt sich bis ins junge Erwachsenenalter weiter. Alles, was die Atemwege reizt oder belastet, ist deshalb besonders kritisch. Bei der klassischen Zigarette ist das seit Jahrzehnten bekannt. Aber auch bei neueren Produkten gilt: Nur weil etwas nicht nach Tabak riecht oder technisch moderner wirkt, ist es nicht automatisch harmlos.

Für die Lungenstiftung Bremen ist deshalb klar: Der Schutz junger Menschen vor Nikotin ist auch ein Beitrag zur Lungengesundheit. Prävention darf sich nicht auf Warnungen vor dem Rauchen beschränken. Sie muss die Produkte erklären, die Jugendliche tatsächlich sehen, ausprobieren oder im Freundeskreis erleben.

Warum die neuen Produkte so attraktiv wirken

Viele neue Nikotinprodukte sind so gestaltet, dass sie niedrigschwellig wirken. Sie sind klein, leicht zu verstecken, oft farbig gestaltet und werden in digitalen Räumen sichtbar. Hinzu kommen Aromen, die eher an Süßigkeiten, Getränke oder Kosmetik erinnern als an ein Suchtmittel. Genau darin liegt ein Teil des Problems: Die Verpackung wirkt harmlos, der Inhalt ist es nicht.

Die Gefahr besteht nicht nur im einzelnen Konsum, sondern in der Normalisierung. Wenn Vapes auf Partys, Schulwegen, in Pausen oder auf Social Media selbstverständlich erscheinen, sinkt die Hemmschwelle. Was viele tun, wirkt weniger riskant. Was gut schmeckt, wirkt weniger gefährlich. Was technisch aussieht, wirkt weniger nach Sucht.

Prävention muss deshalb nicht nur medizinisch argumentieren. Sie muss auch erklären, wie Produkte attraktiv gemacht werden, welche Rolle Gruppendynamik spielt und warum „nur mal probieren“ bei Nikotin keine harmlose Kleinigkeit sein muss.

Was Eltern wissen sollten

Für Eltern ist die neue Produktwelt nicht immer leicht zu überblicken. Viele Erwachsene denken beim Thema Rauchen zuerst an Zigaretten. Jugendliche sprechen aber vielleicht von Vapes, Pods, Liquids, Pouches oder bestimmten Marken. Wer diese Begriffe nicht kennt, erkennt das Problem manchmal zu spät.

Wichtig ist deshalb ein offenes Gespräch. Nicht jeder ausprobierte Kontakt mit Nikotin bedeutet sofort eine Abhängigkeit. Aber Wegsehen hilft nicht. Eltern sollten fragen: Wo begegnen dir solche Produkte? Wer nutzt sie? Was findest du daran interessant? Weißt du, ob Nikotin enthalten ist? Solche Fragen öffnen eher ein Gespräch als ein pauschales Verbot.

Gleichzeitig braucht es eine klare Haltung. Nikotinprodukte sind keine normalen Lifestyleartikel für Jugendliche. Sie gehören nicht in Kinder- und Jugendhände. Und sie sollten nicht verharmlost werden, nur weil sie anders aussehen oder anders riechen als klassische Zigaretten.

Was Schulen und Prävention leisten müssen

Die aktuellen Zahlen zeigen: Prävention muss früher, konkreter und lebensnäher werden. Es reicht nicht, Jugendlichen abstrakt zu sagen, dass Rauchen irgendwann krank machen kann. Viele Jugendliche denken nicht in Zeiträumen von 20 oder 30 Jahren. Prävention muss deshalb auch über Themen sprechen, die näher an ihrer Gegenwart liegen: Abhängigkeit, Kontrolle, Geld, Sport, Leistungsfähigkeit, Aussehen, Stress, Gruppendruck und Selbstbestimmung.

Zugleich brauchen Schulen und Jugendeinrichtungen aktuelles Wissen über neue Produkte. Wer nur vor der Zigarette warnt, erreicht nicht alle Formen des Nikotinkonsums. Moderne Suchtprävention muss erklären, warum Vapes, Nikotinbeutel und andere Produkte keine harmlosen Trends sind.

Ein Warnsignal – aber kein Grund zur Resignation

Die wichtigste gute Nachricht bleibt: Die meisten Jugendlichen rauchen nicht. Viele junge Menschen entscheiden sich bewusst gegen Nikotin. Das ist ein großer Erfolg jahrzehntelanger Aufklärung und Prävention.

Aber die Drogenaffinitätsstudie 2025 zeigt, dass dieser Erfolg nicht gesichert ist. Der Trend kann kippen. Neue Produkte können alte Risiken in neuer Form zurückbringen. Und Jugendliche brauchen Erwachsene, die hinschauen, verstehen und handeln.

Die Lungenstiftung Bremen setzt sich dafür ein, Lungengesundheit früh zum Thema zu machen – verständlich, lebensnah und ohne erhobenen Zeigefinger. Denn jede Jugendliche und jeder Jugendliche, der gar nicht erst abhängig wird, ist ein Gewinn: für die eigene Gesundheit, für die Atemwege und für ein freieres Leben ohne Nikotin.

Quelle:
Grundlage dieses Beitrags ist die Drogenaffinitätsstudie 2025 – Teilband Tabak und andere nikotinhaltige Produkte des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit. Ergänzend wurden aktuelle Berichte von DIE ZEIT, tagesschau/WDR und ZDFheute zur Einordnung der Studienergebnisse berücksichtigt.